KOSOVO UND METOCHIEN: GESCHICHTE UND IDEOLOGIE

KOSOVO UND METOCHIEN: GESCHICHTE UND IDEOLOGIE

Vorwort

Die Erforschung der Balkan- Geschichte ist gleichzeitig ein herausforderndes und ein mühevolles Unternehmen. Herausfordernd, weil man in Kontinuität Phänomene verfolgen kann, die, mit dem Wechsel des politischen oder ideologischen Rahmens, durch neue Spannungen und aktualisierte Inhalte gekennzeichnet werden, die aber im Grunde als schwere Last des ideologischen Erbes alle Wechsel überdauern und dessen Überwindung auch in unserer Zeit nicht in Sicht ist. Mühevoll, weil alle Völker auf dem Balkan sich als Opfer der Geschichte fühlen und die Verantwortung für ihre Nöte hauptsächlich auf Nachbarn oder Großmächte übertragen. Solche Standpunkte, obschon zuweilen auch berechtigt, belasten die Schaffung gegenseitig übereinstimmender, historisch analysierter und wissenschaftlich erläuterter Kenntnisse über die eigene Vergangenheit. Das Beispiel der entgegengesetzten Ansichten zur Frage von Kosovo und Metochien veranschaulicht solche Praxis sehr wohl, da ein altes historisches Konflikt auch auf das Gebiet der historischen Forschungen übertragen wird.

Der Sinn der in diesem Buch versammelten Studien und Aufsätze liegt nicht in der Absicht - was leider eine weit verbreitete Praxis in den Geschichtswissenschaften der Balkan-Völker ist - daß man durch die historische Argumentation einen bestimmten nationalen Standpunkt legitimiert oder die territorialen oder staatsbildenden Ansprüche unterstützt. Die Absicht des Autors beschränkt sich auf die Bemühung, durch die Analyse bestimmter historischer Phänomene kritische Betrachtung der Vergangeheit zu beeinflußen, die der "Vorraum der Gegenwart" ist, wie es oft betont wird. In Hoffnung, daß eine gewisse Bildungsfunktion des wissenschaftlichen Stoffes auch diesmal auf das entsprechende Echo bei der interessierten Leserschaft stoßen wird, übergebe ich dieses Buch, das dem Verhältnis zwischen dem Historischen und Ideologischen gewidmet ist, dem Urteil der Öffentlichkeit.

In Belgrad,

Der Autor

KOSOVO UND METOCHIEN: DAS KERNLAND ALT-SERBIENS

Seit dem Mittelalter bis zum Ersten Serbischen Aufstand (gegen die Ottomanen 1804, Anm. d. Ü.) sind Kosovo und Metochien nicht mehr als zwei Gebiete des Landes, das von seinen Bewohnern und allen ausländischen Reiseberichterstattern einheitlich Serbien genannt wird. Der Name Serbien deckte den Raum von der Save und Donau im Norden bis Skoplje, Tetovo und Veles im Süden und er bezeichnete nicht nur das ethnische Territorium der Serben sondern auch die Tradition des einstigen Staates der Nemanjiden. In den ersten Jahrhunderten der osmanischen Herrschaft, obwohl auf verschiedene Verwaltungsbezirke aufgeteilt, wird Serbien auf den Karten ausländischer Herkunft auch weiterhin als eine historische und ethnische Einheit betrachtet. Seine Grenzen auf diesen Karten umfaßten nicht nur das heutige Zentralserbien mit dem Gebiet von Ras, Kosovo und Metochien sondern sie verstanden darunter auch die Gegenden die sich südlich von Skoplje erstrecken und schloßen auch den Raum von Ovce Polje bis Tetovo und Gostivar ein.

Der Name Serbien wird manchmal auf den Karten der gelehrten Reiseberichterstatter dem Begriff Illyricum untergeordnet, nach dem alten Brauch, die von den Slawen bewohnten Balkanländer nach deren antiken Bezeichnungen zu nennen. Der Begriff Illyricum faßte neben Serbien auch noch Bosnien mit der Herzegowina um, Montenegro, einen Teil Dalmatiens, den Größteil von Vardar-Mazedonien und einen Teil des heutigen Bulgarien. Aus diesem Grund bezeichneten sich einige Oberhäupter des Patriarchats von Pec zur Zeit der ottomanischen Herrschaft im Sinne der damals herrschenden gelehrten Tradition als Patriarchen des ganzen Illirikum. Durch die Erwähnung dieser Würde bezeichneten sie eigentlich die räumliche Ausbreitung der Serbischen Orthodoxen Kirche, da sich ihre Diözesen beiderseits der Grenze zweier Imperien befanden, des Habsburger und des Ottomanischen Kaiserreichs.

Erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts taucht auf den Karten, neben dem Namen Serbien auch der Ausdruck Oberalbanien auf, in den Gebieten wo sich Serbien und Albanien berühren. Der mit diesem Namen bezeichnete Bereich faßt manchmal auch Kosovo mit Metochien um oder nur Metochien und die Region südlich von Prizren. In diesem Fall wird durch den Gebrauch des Namens Albanien, der ebenfalls aus der antiken Tradition hergeleitet wurde, nicht eine neue Bezeichnung jenes Raums beabsichtigt, der im Laufe der Zeit seine ursprüngliche ethnische Zusammensetzung verloren hat. Der Wechsel im Gebrauch der Namen entsprang vor allem dem Bedarf, die Jurisdiktion der Römisch-katholischen Bischöfe von der albanischen Küste über das Hinterland ihrer Diözesen zu bezeichnen.

I

Der Begriff Serbien verblieb als der überwiegende in dem Spektrum der lokalen Bezeichnungen für das Gebiet von Kosovo und Metochien bis zu den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts und dem neuen Autonomistatus für das damalige Fürstentum Serbien innerhalb des Ottomanischen Reiches. Seit dieser Zeit wird im autonomen Serbien selbst der Ausdruck Altserbien immer öfter verwendet, um mit einem Sammelbegriff all die Gebiete Serbiens zu bezeichnen, die außerhalb des autonomen Fürstentums waren, immer noch unter der unmittelbaren ottomanischen Herrschaft.

Es wird allgemein angenommen, daß Vuk Stefanovic Karadzic als erster den Ausdruck "Altserbien" in seinem Rjecnik gebraucht hat, einen Begriff, der zur allgemeinen Bezeichnung für serbische Länder südlich der Südgrenze des autonomen Fürstentums Serbien werden wird. Für Vuk ist Altserbien "das Land unseres Volkes jenseits des Bergs Stara Planina". Darunter verstand er auch die Gebiete, die im Süden bis nach Prilep reichen, der ehemaligen Hauptstadt des legendären Königs Marko Mrnjavcevic. Bis zu den Türkenkriegen in den Jahren 1876-1878 gehörte auch der Sandschak von Nis Altserbien an. Dieser türkische Verwaltungsbezirk erstreckte sich von der südlichsten Grenze des serbischen Fürstentums, dem Gebiet um Aleksinac, über die Städte Nis, Leskovac und Pirot bis nach Vranje mit Umgebung. Der Ausdruck "Altserbien" hatte aber auch noch eine, ganz besondere Bedeutung. Es ging um die Gebiete, in denen sich die Mitte des mittelalterlichen serbischen Staates befand, der eigentliche Kern der Länder, um die die Dynastie der Nemanjiden ein mächtiges Königreich im 12. und 13. Jahrhundert ausgebaut hatte. Es ist das Königreich, das im darauffolgenden Jahrhundert durch die Ausbreitung weit in den Süden und den Osten zum serbischen Imperium werden wird.

Die mittelaterlichen Traditionen hatten in der mündlichen Überlieferung eine besondere emotionalle Spannung und im kollektiven Bewußtsein der Serben waren sie die grundlegenden Pfeiler ihrer modernen nationalen Identität. Da die unter dem Begriff Altserbien verstandenen Länder von der ottomanischen Herrschaft noch nicht befreit wurden, hat man die ganze Ideologie der nationalen Befreiung für unvollendet gehalten, solange die "klassischen serbischen Länder" - so eine alternative Bezeichnung für Altserbien - unter fremder Herrschaft sind. Die im 14. und 15. Jahrhundert am Schlachtfeld verloreren Länder sollte man auf dieselbe Weise zurückgewinnen, argumentierte die nationale Ideologie des 19. Jahrhunderts.

Zur Befestigung solcher Darstellung des historischen Konflikts zwischen den Ottomanen und den Serben trugen zusätzlich auch die Türken und die Vertürkten selbst bei durch ihre unzählige Male widerholte Behauptung, ihr Reich sei mit dem Schwert gewonnen worden und nur mit dem Schwert könne man es verlieren. Die "Rache Kosovos" war daher eine mächtige Mobilisierungsidee und der Schwerpunkt, um den sich alle Bemühungen zur nationalen Befreiung und Einigung der Serben versammelten haben, in einer Epoche, die man mit Recht das Zeitalter des Nationalismus nennt. Als auf Vorschlag des Metropoliten Mihajlo im Jahr 1868 in Belgrad das Bildungsrat für Schulen und Lehrer in Altserbien, Mazedonien, Bosnien und der Herzegowina ins Leben gerufen wurde, bekam die Verbreitung dieser Idee eine institutionalisierte Form, denn sie wurde bekanntgemacht und gefördert mittels Lehrstoff in den serbischen Schulen in der Europäischen Türkei.

Bei den Serben in Serbien wie auch in Montenegro waren die Kenntnisse über Altserbien oberflächig und oft sehr beschränkt. Der Grund dafür war nicht nur ein schwaches Interesse, sondern auch die Konzentration der serbischen Ansprüche bis 1876 in eine völlig andere Richtung, auf Bosnien und Herzegowina, die die Priorität in allen außenpolitischen Plänen Serbeins genießen. Der Fürst Milos beteuerte vor den ausländischen Besuchern, sein Ziel sei die Befreiung und Vereinigung in einem Staat, dem Fürstentum Serbien, aller serbischer Länder, einschließlich Altserbien, der Herzegowina und Bosnien. Auch später, während der Regierung des Fürsten Mihajlo Obrenovic, waren Bosnien und Herzegowina die absolute Priorität und Altserbien ein selbstverständliches aber vernachläßigtes serbisches Gebiet unter fremder Herrschaft. Gerade wegen dem Mangel an konkreten politischen Zielen blieb Altserbien im Schatten der großen Bemühungen um den Gewinn von Bosnien und Herzegowina.

Über Altserbien redete man in Serbien vor 1878 mehr wie von einem von ruhmreichen mittelalterlichen Klöstern übersäten Gebiet und dem Urquell der historischen Legenden. Weniger wußte man, daß die Serben südlich der Grenzen des Fürstentums ständig der türkischen und albanischen Gewalt und Ungnade ausgesetzt sind, daß es keinen Rechts- und Gerichtsschutz ihres Eigentums und persönlicher Sicherheit gibt und daß eine Flut der Einwanderer aus diesen Gebieten ununterbrochen in den freien Teil Serbiens hineinfließt.

Daß der Begriff Altserbien ein fester Bestandteil der politischen und geographischen Terminologie in Serbien geworden ist, zeigten auch zahlreiche Studien, die jenen Gebieten gewidmet waren. Der Begriff Altserbien tritt immer häufiger in den Reiseberichten, der geographischen, militärischen und politischer Literatur im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts auf. Während der Generalstabshauptmann der Serbischen Armee Mihajlo N. Ilic seine Notizen von der Reise durch Altserbien im Sommer 1871 unter dem Titel "Memoire aus der Türkei" in der Zeitschrift "Ratnik" veröffentlicht hatte, erfolgte der erste Versuch der politischen Definition des Begriffs Altserbien 1878, als Djordje Popovic Danicar anonym die wichtige Broschüre "Stara Srbija" ("Altserbien") drucken ließ. Es folgten zahlreiche historiche Abhandlungen, oft mit den Elementen des Reiseberichts. Despot Badzovic, ein anerkannter Aktivist mit großer praktischer Erfahrung, veröffentlichte 1878 seine Abhandlung ebenfalls unter dem Titel "Stara Srbija", zunächst in Folgen, in der Zeitung "Srpske novine" und dann auch als selbständiges Buchlein. Ähnlichen Inhalts war die Broschüre aus dem Feder von Dimitrije Aleksijevic, die, mit "Staro-Srbi" ("Die Alt-Serben") betitelt, im selben Jahr in Belgrad erschien. Der Sinn dieser Broschüren war, der serbischen Öffentlichkeit, die während und nach dem Berlinkongress wenig über die tatsächliche Lage in den Gebieten südlich der Grenzen des unabhängigen Fürstentums Serbien wußte, die Probleme dieser Region näher zu bringen.

Der Lage in Altserbien schenkte "Bratstvo", die Zeitung der Belgrader "Gesellschaft des Heiligen Sava", besondere Achtung. Durch ihren Einsatz wurde einer beachtlichen Zahl der Schüler aus den Ländern unter ottomanischer Herrschaft eine Ausbildung in Serbien ermöglicht. Schon in der ersten Ausgabe von "Bratstvo" mahnte Milojko V. Veselinovic das Desinteresse der Serben in Serbien an ihren Landsleuten in Altserbien an. Unter Altserbien verstand Veselinovic das breite Gebiet von Priboj im Norden bis Bitolj im Süden und von Skadar und dem Fluß Skumba im Westen bis zur Grenze zwischen dem Ottomanischen Imperium und dem autonomen Fürstentum Bulgarien im Osten.

Veselinovic hat möglicherweise am treffendstem die Summe der Symbole ausgedruckt, für die Altserbien in der nationalen Ideologie der Serben zur Zeit des späten nationalen Romantismus gestanden hat: "In Altserbien sind die Haupstädte unserer Könige und Kaiser. In Altserbien ist der Sitz des serbischen Patriarchen. In Altserbien sind die bedeutendsten Klöster serbischer Kaiser und Könige. Dieses Land hat die serbische Staatsidee befestigt. In ihm lebt der Keim des Serben, in ihm erkennt der Serbe die Macht seines Namens, in ihm spiegelt sich der Serbe als der Staatsmann wider, in ihm enstand auch das serbische Staatsleben - es ist der Pfeiler, um den das Serbentum kreist.

Veselinovics Ansichten stimmten wenig mit der politischen Wirklichkeit überein. Serbien schenkte nach dem Berliner Kongress wenig Beachtung der Lage der Serben, die südlich seiner Grenzen lebten. Auf das häufige, eigentlich chronische Leiden der Bewohner Altserbiens wiesen die hervorragendsten Menschen aus dieser Region hin, allen voran Sima Andrejevic Igumanov, der Begründer des theologischen Seminars von Prizren. In seiner Broschüre "Sadanje nesretno stanje u Staroj Srbiji i Makedoniji" ("Jetzige unglückliche Lage in Altserbien und Mazedonien"), die 1882 in Belgrad veröffentlicht wurde, versuchte er die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in Serbien auf die prekäre Lage seiner Landsleute in der Europäischen Türkei zu lenken. Bald schloß sich solchen Bemühungen auch Manojlo Djordjevic-Prizrenac an, der damals bekannteste Schriftsteller aus diesem Gebiet, indem er in der Presse immer wieder die Frage des Schutzes der bedrohten Serben in Altserbien thematisierte. Er gab 1891 in Belgrad auch ein selbständiges Buchlein heraus, das er mit "Moze li se pomoci nasem narodu u Staroj Srbiji? Odgovor na suvremeno pitanje s pogledom na opsti polozaj" ("Kann man unserem Volk in Altserbien helfen? Eine Antwort auf eine moderne Frage mit Rücksicht auf die Gesamtlage") betitelte.

Im Rahmen des verstärkten Interesses an Altserbien enstand nach der Eröffnung der serbischen Konsulate in Pristina i Skoplje auch eine Studie mit dem Ziel, eine präzise Analyse der geographischen Lage, der historischen Entwicklung, der Lage und des Aufbaus vom Straßennetz in Altserbien zu liefern. In diesem Raum hätte möglicherweise ein zukünftiger Aufmarsch der serbischen Armee stattfinden können. In einer anderen, 1892 in Belgrad veröffentlichten Studie über den Norden Altserbiens (darunter sind Kosovo, Metohija und das Ras-Gebiet zu verstehen), die für damalige Verhältnisse umfangreich und äußerst präzise war, gab der Infanterie-Hauptmann Mil. J. Nikolajevic seine Ansichten über dessen territorialen Umfang bekannt. Nikolajevic hat deutlich betont, was ihn zu einer derartigen Untersuchung bewegte: "Im Angesicht der wohlbekannten politischen und ethnographischen Gegebenheiten außerhalb unseres heutigen Vaterlands, mit vollem Bewußtsein über das Zeitalter in dem wir leben, die ganze Aufmerksamkeit unser aller, besonders die des serbischen Soldaten, muß hauptsächlich gen Süden und Westen gerichtet werden, zu den Ländern, in denen auch heute eine unstreitbare Mehrheit rein serbischen Volkes lebt, dem das Los das Joch fredmer Herrscher aufgebürdet hat, unter dem es stöhnt. Aus jener großen Gruppe allter serbischer Länder haben wir nun zum Gegenstand unserer Becshreibung nur einen Teil jener Gebiete ausgesucht, das noch zu den Zeiten unseres Reichs, Ruhms und unserer Größe der Mittelpunkt des Serbentums und die serbische Seele war. Dieser Teil serbischer Länder ist heute unter dem Namen Altserbien bekannt, den es seit der Wiederauferstehung des ehemaligen Fürstentums Serbien am Anfang dieses Jahrhunderts erhalten hat und im Unterschied zu ihm".

Im Einklang mit den damals überwiegenden Ansichten zählte Nikolajevic zu Altserbien nicht nur das Gebiet des Vilajet von Kosovo, das traditionell den altserbischen Grenzen gleichgesetzt wurde, sondern er rechnete auch einen Teil des Vilajet von Bitolj dazu: "Altserbien ist im Norden mit einigen Kreisen schon ein Teil des freien Königreichs Serbien aber heute wird es im Nordwesten oberhalb von Nova Varos eingegrenzt, neben Priboj und Pljevlja. Der weitere Verlauf der Grenzen Altserbiens ist identisch der Grenze des Fürstentums Montenegro bis zur Adria. Von da aus verläuft seine Grenze bis zur Mündung des Flusses Skumba, weiter entlang der Wassergrenze und des Flusses Devoli. Es umfaßt auch das Gebiet, das dieser Fluß eingrenzt, und die Städte Gorica und Kostur. Von dort geht die Grenze entlang des Kranzes der Berge Nerecka und Perister und weiter über Djavat und Bakarno Gumno am Dorf Topolcane vorbei, südlich von Prilep und verläuft durch die Stadt Bitolj. Hier biegt die Grenze Richtung Süden ab über den Fluß Crna Reka nähe seiner Mündung, faßt das ganze Gebiet von Tikves mit der Stadt Negotino um und stößt über den Fluß Vardar in der Nähe von Demir kapija auf die Stadt und den Fluß Strumica. Von dort aus verläuft die Grenze entlang der Strumica bis zu ihrer Mündung in den Fluß Struma, weiter über den Berg Perin bis zu den südlichen Ausläufern von Rila, gerade bis zur heutigen Grenze des Fürstentums Bulgarien und anschließend entlang dieser Grenze bis zur Grenze des Königreichs Serbien, gegenüber von Vranje und weiter der serbischen Grenze entlang bis nach Priboj."

1 Detaillierte Angaben in: Radonic, J. Rimska kurija i juznoslovenske zemlje. Beograd: Srpska akademija nauka, 1950. S. 95-101. In den Berichten der katolischen Bischöfe aus dieser Region wurde manchmal Altserbien auch Niederserbien genannt.

S. 8

1 Der Patriarch von Pec Arsenije III Crnojevic unterzeichnete einen Brief an einen Berater des russischen Zaren in folgender Weise: "Arsenije, durch Gottes Gnade Patriarch von Pec und aller Serben und Bulgaren und des ganzen Illirikums Patriarch". (Radonic, J. Prilozi za ustoriju Srba u Ugarskoj u XVI, XVII i XVIII veku. Novi Sad, 1919. S. 138).

2 Hecquard, H. M. Histoire et description de la Haute Albanie ou Gueégarie. Paris, 1858.

S. 9

1 Batakovic, Dusan T. Savremenici o Kosovu i Metohiji 1852.1912. Beograd, 1988. Vorwort, S. VII-XXXVII.

2 Karadzic, Vuk Stefanovic. Srpski Rjecnik. Belgrad, 1935. S. 735.

S. 10

1 Batakovic, Dusan T. "Znacaj kosovskog predanja u odrzanju srpskog naroda na Kosovu i Metohiji u XIX i XX veku". Kosovska bitka 1389 i njene posledice. Belgrad: Balkanoloski institut SANU, 1991. S. 121-131.

2 Der "Rat für Schulen und Lehrer in Altserbien, Mazedonien, Bosnien und der Herzegowina" wurde im August 1868 gegründet.Seine ersten Mitglieder waren Archimandrit Nicifor Ducic und Professoren Panta Sreckovic und Milos Milojevic. Auf Vorchlag von Jovan Ristic wurde 1872 auch Jovan Ristic in den Rat aufgenommen. Er verblieb in dieser Gruppe nur ein Jahr, bis zu seiner Wahl zum Minister im April 1873. Die Tätigkeit des Rates wurde durch die Kriege Serbien gegen die Türkei 1876-1878 eingestellt. Nach dem Bericht von Nicifor Ducic wurden in Altserbien und Mazedonien zwischen 1868 und 1874 mehr als 70 Knaben- und sieben Mädchenschulen gegründet. In Prizren entstand die einzige Hochschuleinrichtung - das theologische Seminar (Mehr Details gibt es in: Vojvodic, V. "Skolovanje nacionalnih radnika za rad van Srbije 1873-1877". Istorijski glasnik. Sonderausgabe. Heft 3-4. Belgrad, 1963. S. 12-13).

S. 12

1 "Memoar iz Turske: iz putovanja moga leti 1871. god.". Ratnik. Belgrad, 1879.

2 Veselinovic, M. V. "Geografski-etnografski pregled Macedonije i Stare Srbije s kartom". Bratstvo. Heft 1. Belgrad, 1887. S. 186-205.

S. 12

1 Veselinovic, S. 195uch Jovan Ristic in Tms Rmn_873-1877". Istorijski glasnik. Sonderausgabe. Heft 3-4. Belgrad, 1963. S. 12-13).

S. 12

1 "Memoar iz Turs

DIE ALBANISCHE LIGA

Die militärischen Operationen während des Krieges von 1877-78 brachten tiefgreifende demographische Veränderungen im Gebiet von Altserbien mit sich. Seit 1875 schwappte eine Welle von Flüchtlingen aus dem Kosovo und den benachbarten Regionen über serbisches Land. In den angrenzenden Gebieten zu Serbien, zwischen dem Kopaonik-und dem Jastrebac-Gebirge, suchten an die 200.000 Serben Schutz vor dem Terror ethnischer Albaner, Türken und gar Tscherkesen.

Der Triumph der serbischen Armee und die resultierende Befreiung von Südserbien verursachte einen entgegengesetzten Wanderungsprozess. In dem Raum von Prokuplje und Leskovac bis Vranje, hatten sich etnische Albaner im Laufe des 19. Jahrhunderts angesiedelt, und wie ihre Landsleute im Kosovo und der Metohija hatten auch sie völlige Vorherrschaft im politischen Leben inne, sie bekleideten Schlüsselpositionen im Regierungsapparat. Als serbische Einheiten dann den Nis-Sandzak befreiten, zogen mit den sich zurückziehenden, geschlagenen Baschibozouks auch diese albanischen Bewohner mit. Dies geschah in Einklang mit den althergebrachten türkischen Traditionen, wonach die Moslems im Falle einer Niederlage aufgerufen werden, mit der Armee das Land zu verlassen. Von Toplica und Pomoravlje zogen sich so an die 30.000 ethnische Albaner mit der türkischen Armee zurück, und suchten ihr neues Heil in den Ebenen des Kosovo und der Metohija. Gerade diese Flüchtlinge, Muhadjirs genannt, ihres Hab und Guts beraubt und auf der Suche nach neuem Siedlungsraum, begannen, sich an den einheimischen Serben brutal zu rächen, deren Eigentum zu rauben und sich ihr Land anzueignen. Eine Administration, die womöglich diese Ausschreitungen hätte eindämmen können, bestand nur nominell, als die Macht völlig in der Hand lokaler ethnischer Albaner begründet lag, die ihrerseits ebenfalls serbische Bewohner angriffen. In einer an Prinz Milan gerichteten Klage berichteten die Serben aus Gnjilane, daß mit dem Rückzug der serbischen Armee aus dem Kosovo sich die Gewaltakte verdreifacht haben: "Die wütenden Albaner brechen in unsere Häuser und Gehöfte ein, seit dem Tag, an dem die serbische Armee Gnjilane verließ, und sie zerstören alles, bis auf unsere nackte Haut nehmen sie uns alles weg! Jeden Tag wird einer unserer Brüder umgebracht, entweder im Geheimen oder öffentlich!"

Die ethnischen Albaner waren vom militärischen Fiasko, der Ankunft der Muhadjirs, und den Beschlüssen des Friedensvertrages von San Stefano aufgewühlt. Der Vormarsch der serbischen Armee verursachte Panik und die Flucht zahlreicher ethnischer Albaner tiefer in das Gebiet des schrumpfenden ottomanischen Gebietes, bis nach Djakovica und Pec. Die albanischen Führer betrachteten die Ausdehnung Serbiens und Montenegros, besonders deren offener Aspirationen bezüglich des Gebietes Altserbiens, als gefährlich für albanische Interessen. Stammeshäuptlinge aus Pec, Djakovica, Gusinje, Ljuma, Debar und Tetovo kamen zusammen, um zu beraten, ob man friedlich den Verlust ihrer im Krieg verlorenen Länder, die sie als albanische Länder betrachteten, hinnehmen solle, oder ob man sich mit Waffengewalt jeder Grenzveränderung widersetzen solle, trotz der Auffassung der Porte. So wurden gegen Ende April einige präventive Maßnahmen in Djakovica ergriffen, für den Fall einer neuerlichen serbischen, montenegrinischen oder Bulgaro-russischen Offensive, um auch den Waffennachschub, Munitions- und Lebensmittelversorgung zu sichern.

Die Neuigkeit, daß in Berlin ein Kongreß dazu einberufen wurde, beschleunigte die nationale Versammlung der ethnischen Albaner. Schon in vorangegangen Jahrzehnten appellierten albanische Emigranten in Italien, Bulgarien und Rumänien für eine Bildungs- und Nationalemanzipation ihres Volkes, doch ihr Einfluß unter den ungebildeten Bürgern muslimischen Glaubens, der Tradition der Sharia und der Stammesprivilegien eng verbunden, war gänzlich verschwindend gering. Das "Italienisch-Albanische Komitee" handelte unter dem Patronat der italienischen Regierung, für welche dieses lediglich ein Mittel zur wirtschaftlichen und politischen Penetrierung in den Balkan diente. In Konstantinopel bildete sich 1877 aus einem einflußreichen literarisch-politischen Zirkel albanischer Intellektueller das "Zentrale Komitee zur Verteidigung Albanischer Rechte", das eine territorial-administrative Autonomie innerhalb des Ottomanischen Reiches propagierte. Der Plan dieses Komitees nahm die Schaffung eines einzelnen albanischen Vilajets, vorweg, welches Kosovo, Bitolj, Scutari, und Janjevo Vilajet einschließen würde. Es wurden gar Pläne laut, wonach dazu auch das Saloniki Vilajet hinzukommen sollte.

Somit erreichten die Aktivitäten des Komitees zum ersten Mal seit seiner Gründung größere Aufmerksamkeit weiter albanischer Gruppen, nicht zuletzt wegen einer sich gefährlich steigernden Psychose aufgrund der wachsenden Aspirationen der benachbarten serbischen Länder. In Prizren versammelten sich an die 300 Delegierte aus verschiedenen Regionen, darunter befanden sich aber in der Mehrzahl Großgrundbesitzer (Paschas und Begs), Stammeshäuptlinge und Würdenträger. Dabei wurde während einer Versammlung in der Moschee von Prizren eine "Liga zur Verteidigung der Rechte des albanischen Volkes" gegründet, weithin besser bekannt geworden unter dem Namen "Albanische Liga". Deren Hauptausschuß bestand aus 60 Mitgliedern, unter dem Vorsitz des Abdul Bey Frasheri, und dieser schickte den in Berlin versammelten Großmächten am 15.Juni ein Memorandum, in dem die territoriale Integrität des Ottomanischen Reiches in den Grenzen vor Ausbruch des Krieges gefordert wurde.

Das Statut der Liga, Kararname genannt (Buch der Beschlüsse/Entscheidungen), unterstrich die Treue zur Sharia, dem Islam und der Porte, und die Entschlossenheit, alle Gebiete des Ottomanischen Reiches mit Waffengewalt zu verteidigen. Der erste Artikel der Kararname betonte das Ziel der Liga, "keine andere Regierung zu akzeptieren und sich von jeder anderen als der Porte zu distanzieren, und mit Waffen dafür zu kämpfen, alle Territorien zu verteidigen." Artikel 2 besagte: "Unser Ziel ist es, die Reichsrechte für seine verehrte Majestät den Sultan, unseren Herrn, zu erhalten". Artikel 6 enthielt eine definitive Haltung gegenüber den benachbarten Balkanländer: "Da wir auf dieser Balkanerde leben, werden wir nicht zulassen, daß fremde Armeen über sie treten. Wir werden den Namen Bulgarien nicht anerkennen. Wenn Serbien sich nicht friedlich aus den illegal besetzten Ländern zurückzieht, so werden wir Bashibazouks (Akindjias) entsenden, und bis zum Letzten ringen, bis nicht diese Gebiete befreit worden sind, einschließlich Montenegros."

Die Hauptforderung der Albanischen Liga bestand darin, von diesen Gebieten vier Vilayete zu bilden: Scutari, Janjevo, Kosovo und Bitolj, ein einzelnes albanisches Vilayet innerhalb des Ottomanischen Reiches. Gleich in einem ersten Schritt also definierte die albanische Bewegung die Reichweite ihrer territorialen Pretensionen. In diesen vier als Vilayete beanspruchten Gebiete lebten an die 44% ethnische Albaner, 19,2% mazedonischer Slawen, 11,4% Serben, 9,2% Griechen, 6,5% Walachen, 9,3% Osmanischer Türken, 0,4% Juden, Armenier und Zigeuner. Die territorialen Forderungen der albanischen Nationalbewegung expandierte nach Altserbien und Mazedonien, Regionen also, in denen ethnische Albaner nicht einmal die Mehrheit der Bevölkerung ausmachte. Darin war bereits der Keim für neue Kämpfe mit den beiden serbischen Staaten enthalten. Diese Bewegung basierte damit auf einer extremen anti-slawischen und anti-serbischen Haltung.

Die Aktivitäten der Liga verwiesen auf eine Lücke in den religiösen Anschauungen, auf unterschiedliche Grade nationalen Bewußtseins, und gegensätzlicher Konzepte zur nationalen Zukunft, und das alles innerhalb der albanischen nationalen Bewegung.

Die politischen Aktivitäten der Liga wurden von namhaften Landbesitzern, religiösen Führern und Stammeshäuptlingen kontrolliert, die aufgrund ihrer Positionen, ihres Glaubens und ihrer Konzepte tief dem Osmanischen Reich und dessen Ideologie verbunden waren. Sie stützten sich auf die unteren Schichten des albanischen und moslemischen Volkes, deren Feindschaft gegen die Serben mit den Siegen der serbischen Armee sich steigerte, und somit gaben sie der ganzen Bewegung einen pro-islamistischen und legitimistischen Charakter im ersten Jahr seiner Arbeit. Abdul Bey Frasheri und Delegierte aus dem Süden Albaniens, die Advokaten einer sogenannten "radikalen Bewegung", blieben jedoch in ihrem Bestreben, die Beziehungen mit der Porte zu festigen, eine Minderheit. Immerhin hatten sie einen Berührungspunkt, nämlich die territoriale Ausdehnung der "albanischen Länder": Der neue unabhängige Staat sollte aus vier Fürstentümern bestehen:
1) Südalbanien mit Epirus und Janina;
2) Nord- und Mittelalbanien mit den Regionen um Scutari, Tirana und Elbasan;
3) Mazedonien mit den Städten Debar, Skoplje, Gostivar, Prilep, Veles, Bitolj und Ohrid;
4) Altserbien mit den Städten Prizren, Djakovica, Mitrovica, Pristina, Gnjilane, Presevo, Kumanovo, Novi Pazar und Sjenica.

In dem so gedachten "Großalbanien" sollten ihre privilegierten Positionen wie selbstverständlich garantiert werden. Vor Ausbruch des Krieges waren gerade sie die Stütze im staatlichen System des Osmanischen Reiches, welche die rücksichtslose Ausbeutung der unterdrückten Bevölkerung erlaubte. In den nationalen Programmen der Liga, die ihre religiösen, Stammes- und politischen Privilegien sichern sollte, war kein Platz für nicht-albanische Völker: Deren politische Ungleichbehandlung war weder aufgehoben, noch waren sie legal oder ökonomisch geschützt. Die religiöse und ethnische Intoleranz erreichte auf der anderen Seite aber eine neue Befriedigung. So wurden die Serben aus Prizren sogar gezwungen, die Petition der Liga, die nach Berlin geschickt wurde, mitzuunterzeichnen und zu besiegeln.

Die Führung der albanischen Nationalbewegung, hauptsächlich aus feudalen Kreisen stammend, sah in den Aktivitäten der Liga ein Mittel, existierende Privilegien zu erhalten, und die Möglichkeit, für die unteren Schichten die Steuern zu senken, eine Kontinuität ihrer freien Stammesselbstverwaltung zu sichern, und Raum für demographische Expansion. Gemeinsame Interessen machten aus der Liga bald das Instrument des neuen Sultans Abdulhamid II (1876-1909), dem Inspirator der panislamischen Idee. Deren anti-slawische Haltung sollte dem Sultan zunutzekommen, als er die Revision des Friedens von San Stefano verlangte, weiter um die internationale Bestätigung der verlorenen Gebiete oder neue Konzessionen während des Berliner Kongresses zu verhindern. Die Liga sollte damit als Abschreckungsmittel fungieren, um die Gesamtheit des Osmanischen Reiches zu erhalten. Daher waren auf der Eröffnungsversammlung der Liga auch Delegierte aus Bosnien und dem Sandzak von Novi Pazar zugegen. Mit wenig Erfolg wurden auch albanische Freiwillige gemustert, um der Besetzung Bosnien-Herzegowinas durch Österreich-Ungarn Widerstand zu leisten.

Der pro-islamische und pro-türkische Charakter der Liga traf auf das Mißgefallen der katholischen Albaner im Norden Albaniens. Der italienische Konsul in Scutari, Bernardo Berio, glaubte zudem, daß nur diese katholischen Albaner die wahren Träger der Idee einer albanischen Autonomie und dem Bruch mit den Türken wären. (...) Ein Rat in Scutari, unabhängig gebildet von der Liga in Prizren, schickte dem britischen Premier Benjamin Disraeli eine Anfrage um Bildung eines unabhängigen Albanien, um die "slawische Invasion zur Adria" zu verhindern.

Diplomaten der Großmächte, die Konsulate in Prizren und Scutari unterhielten (Rußland, Österreich-Ungarn, Großbrittanien und Italien), berichteten, daß die Gründung der albanischen Liga direkt durch Hilfe der Porte und mit Eile von einigen Vilayet-Beamten und dortigen Militärkommandeuren vorangetrieben wurde. Der italienische Konsul bemerkte " einige befremdende Beziehungen zwischen offiziellen Stellen der türkischen Autoritäten und einer legal illegalen Bewegung", seit türkische Behörden für die Ankunft albanischer Delegierter nach Prizren aufkamen, und die Anhänger der Liga mit Waffen und Munition versorgten. Zu den gleichen Schlüssen kam auch ein Diplomat der Doppelmonarchie, der davor warnte, daß die Aktivitäten des lokalen Komitees der Liga in Prizren sich nach Konferenzen mit den höchsten Vertretern im Vilayet entwickelten, "welche die lokalen albanischen Moslems mit excellenten Waffen bewaffneten, sie mit Munition versorgten und über deren Führer Einfluß und die Ausdehnung der Regierungsstellen sicherten".Er nahm auch vorweg, "daß die Porte nicht länger in der Lage sein werde, die Leute dazu zu bringen, ihre Waffen wieder niederzulegen, und an der bald entstehenden Lage wird die Porte mitverantwortlich sein." Die Beschlüsse des Berliner Kongresses sanktionierten die Ausdehnung Serbiens und Montenegros, und, unter anderen Dingen, verpflichteten sie die Porte, Plav und Gusinje abzutreten. Der Mißerfolg des türkischen Staates, seine Interessen vor den Großmächten zu behaupten, führte bei der Führung der Liga dazu, ihre Ideen langsam auf totale Autonomie hin zu richten. Räte und Bezirke hatten 16.000 Mann unter Waffen, die den türkischen Behörden und Militärführung unterstanden, die nun mit den neuen Ereignissen unzufrieden waren. Ein erster Versuch der Porte, die Ordnung wiederherzustellen, verursachte eine massive albanische Revolte. So wurde der Reichsemissär, Mehmed Ali Pascha, der die Beschlüsse des Berliner Kongresses vor Ort erläutern sollte, gegen Ende August 1878 in Djakovica getötet.

Der Widerstand gegen die Porte wuchs noch, als diese versuchte von den ethnischen Albanern Steuern einzutreiben und Musterungen vorzunhemen. Im Mai 1879 verlangte die Führung der Liga, von der sogenannten "Autonomiebewegung" absorbiert, judiziäre und völlige Autonomie von der Porte, und schon im Juli wurde ein Beschluß gefasst, um türkisches Recht zu verdrängen. Körperschaften der Liga übernahmen die Kontrolle über Djakovica, Pec, Mitrovica und Vucitrn. Diese Paralellregierung dauerte bis 1880, als die Forderung nach totaler Unabhängigkeit Albaniens hervorgehoben wurde. Alle Bemühungen Konstantinoples, die Albaner zu befrieden, wraen nutzlos. So griff die Porte auf militärische Maßnahmen zurück. Da sie nicht mehr länger auf die Gunst der Liga angewiesen war, wurde eine Militäroperation unter dem Kommando des Dervish Pascha gegen die rebellierenden Gebiete entsandt. Abgesehen von sporadischen Konflikten mit ethnischen Albanern, wurden die Städte zurückerobert, und türkisches Recht wieder etabliert. Anstatt Plav und Gusinje wurden Ulcinj und die dortige Küste Montenegro abgetreten. Die Liga, militärisch zerstört, hörte bald auf zu existieren, während die Mehrheit der prominenten Führer der Liga verhaftet und nach Kleinasien deportiert wurden. Nun trat behutsam Österreich-Ungarn, nachdem die Idee eines unabhängigen Albaniens ausgemerzt wurde, in das politische Vakuum auf den Plan. Um die Ausdehnung der slawischen Staaten zu verhindern, verteidigte es die Rechte der ethnischen Albaner, hauptsächlich der Mirditen. Graf Andrassi glaubte, daß es für die Monarchie am Besten wäre, den albanischen Widerstand gegen die Serben und Montenegriner zu lenken, und dabei die traditionellen Feindschaften zwischen den ethnischen Albanern und den Slawen noch zu stärken. Es wurden in Wien auch Pläne einer Schaffung eines autonomen Albaniens diskutiert, um die italienische Konsolidation an der adriatischen Küste einzudämmen. Auch wenn feudale Schichten die Aspirationen der Doppelmonarchie in Bezug auf die Besetzung Bosnien-Herzegowinas und des Sandzaks Novi Pazar verabscheuten so nahmen sie doch diese Beschlüsse relativ friedlich an. Die Österreichisch-Ungarische Diplomatie unterstützte albanische Forderungen in ihrem Grenzstreit mit Montenegro, während ihre Agenten, von Bosnien aus infiltriert, die Ordnung, Sicherheit und den neuen Lebensstandard, wie er von der neuen Regierung in Bosnien eingerichtet wurde, überall priesen. Die Emissäre der Porte überzeugten die ethnischen Albaner, daß die österreichisch-ungarischen Truppen in den Sandzak Novi Pazar auf Einladung des Padischahs einmarschiert sind. Da die Doppelmonarchie bereits über sichere politische Bastionen in den katholischen Missionen im Norden Albaniens unterhielt, ging sie nun dazu über, auch die Kontrolle über die Albaner moslemischen Glaubens zu gewinnen. Ihr weiteres Eindringen in das Osmanische Reich vom Sandzak Novi Pazar aus hing nämlich zumeist von den ethnischen Albanern und deren politischer Orientierung ab. Die Zerstörung der Liga war ein erster ermunternder Schritt in diese gewünschte Richtung.

 


Kosovo Chronicles
von Dusan Batakovic